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Hallo Maik. Danke, daß du dir Zeit genommen hast, um ein paar Fragen zu beantworten.

Hallo auch. Mach ich gern.

Okay, alles klar. 1. Frage: Sehr allgemein, aber unvermeidlich: Wie bist du zur Musik gekommen?

Das ist natürlich eine lange Geschichte. Immerhin mache ich ja seit über 40 Jahren Musik.

Ich würde sagen, die Musik ist zu mir gekommen oder wir haben uns auf halber Strecke getroffen. Ich hatte schon immer dieses Gefühl, daß da ein ganz besonderes Verhältnis besteht; daß da etwas ganz konkretes ist, das sich mitteilen möchte. Aber jetzt nicht so, wie wir Menschen, wo das ja oft als Drang empfunden wird. Mehr in der Art von „Ich bin da und wenn du dich auf mich zubewegst, teile ich mich dir mit.“, also eher so eine Art freilassender Präsenz. Da drängt sich einem also gar nichts auf.

 

Und wenn man sich öffnet, bzw. wirklich bereit ist, den ganzen Kopfkrampf und seine Vorstellungen davon, was Musik ist, nicht ist oder sein sollte, beiseite zu schieben und diesen, ich will mal sagen, Augenblick der Warhaftigkeit erlebt, dann kann es geschehen, daß Musik sich tatsächlich ereignet, man also davon mehr oder weniger überrascht wird. Dann wird die Musik auch jedesmal neu geboren.

Das klingt aber ziemlich anspruchsvoll.

Ja klar, das passiert immer, wenn man etwas beschreiben will, von dem die meisten Menschen erstmal annehmen, daß es in ihrer eigenen Erfahrung nicht vorkommt. Damit meine ich, daß wir ja in Wirklichkeit alle ständig solche Erlebnisse haben - nur, daß sie uns eben erstmal nicht bewußt sind. Das, wovon ich gerade spreche, ist eigentlich etwas ganz alltägliches. Also jetzt nicht nur, wie an meinem Beispiel mit der Musik, sondern ganz allgemein, wenn es darum geht, daß etwas im Leben gelingt. Alle Menschen erleben diese Dinge schon immer!

Und bezüglich der Musik, muss man auch kein Musiker sein, also z.B. im Sinne von Ausbildung oder solchen Sachen.

Aber mir ist schon klar, daß das 19. und 20 Jahrhundert da vieles zerstört haben. Und auch heute (2017) sieht’s ja nicht viel besser aus.

Klar, heute machen viel mehr Menschen Musik als in den letzten 100 Jahren und das ist auch wirklich ganz toll. Man sollte sich aber auch klar darüber sein, daß wir ja in dieser unsagbar hohlen Selbstinszenierung-Epoche leben. Das macht natürlich vor nichts halt. Und in der Musik erleben wir, außer dem ewigen Spartendenken, auch ein enormes sich-vergleichen und nach-äffen. Und die Folge ist, daß es immer weniger im eigentlichen Sinne um Musik geht. Also, ich spreche hier nicht von Popmusik, sondern von Musik in der Gegenwart; das ist im sogenannten Jazz und in der sogenannten Klassik ganz genauso.

 

Gehen wir nochmal zu einem anderen Thema: Du sprichst ja bei deinen Workshops und im Unterricht immer wieder von den Codes, die du entdeckt hast. Was hat das damit auf sich?

Ja genau. Das ist eigentlich in der Vermittlung von Musik eins meiner Hauptanliegen, das liegt mir sehr am Herzen.

Da muss ich mal kurz abbiegen: Nachdem ich mich in einem bestimmten Moment entschlossen hatte, ab jetzt als Musiker zu leben - also, ich war das ja eigentlich schon immer, mir war das nur lange nicht klar -, nachdem ich also diesen Entschluss gefasst hatte, beschäftigte ich mich natürlich viel intensiver mit Musik und hatte mir dadurch auch einen Raum geschaffen, mich in verschiedene, für mich interessante Themen zu vertiefen.

Neben dem, daß ich selber viel mehr Musik spielte, begann ich quasi im Selbststudium mit Musiktheorie und Musikgeschichte. Hab dann sogar ein paar Jahre an einer Schule Musiktherapie studiert.

Dazu kam, daß ich mit Menschen musizierte, die ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbrachten.

Ich war ja damals noch in der Sozialtherapie tätig und betreute ein 12-köpfiges Ensemble, in dem sogenannte behinderte Menschen und sogenannte Betreuer zusammen spielten. Da gab’s also ein ganz schönes Gefälle; aber auch in dem Sinne, daß Betreute z.B. ein hohes Maß an Begabung zeigten und dann musikalisch ihren Betreuern haushoch überlegen waren, oder auch bezüglich der Spontanität.

Ich hatte dann die Aufgabe, die Musik so zu arrangieren, daß jeder auf seinem Niveau etwas Wertvolles beisteuern konnte. Ich hab dann auch hin und wieder die Musik für interne Theateraufführungen geschrieben und die sollte ja einerseits zum Stück passen, also zu Inhalt und Dramaturgie, und andererseits auch umsetzbar für die Menschen im Ensemble.

 

Dann ging das irgendwann los, daß sich mir nach und nach die komplexen musikalischen Zusammenhänge, einerseits in ihren Grundformen und gleichzeitig auch in ihren ganzen, im Grunde sehr einfachen, Querverbindungen zeigten - also eben das, was ich die Codes nenne.

Um das jetzt abzukürzen: Der Musik liegen tatsächlich ganz einfache gemeinsame Nenner oder Prinzipien zugrunde. Ich sage immer: Um alles zu verstehen, was in der Musik ein Rolle spielt, brauchst du nur bis G buchstabieren, bis 12 zählen und ein bisschen Plusrechnen können - und dann sehr aufmerksam beobachten lernen.

Das ist natürlich jetzt erst mal der theoretische Aspekt. Der geht bei mir jedoch sofort in die Praxis über. Und auch umgekehrt, zeige ich, wie man direkt aus der Praxis plötzlich auf theoretische Zusammenhänge stösst, die auf einen Schlag ganz viele Verbindungen sichtbar machen.

Mir ist vor allem wichtig, zu zeigen, daß das alles ganz einfach, wirklich simpel ist; daß die ganze Abneigung dagegen oftmals auf falschen Glaubenssätzen beruht.

Wenn ich dich richtig verstehe, geht's dabei ja vor allem darum, sein Instrument zu verstehen.

Ja, ganz genau: über's Spielen zum Verstehen und darüber wieder zu einem erweiterten Spielen - das geht immer hin und her.

Superspannend. Klingt ja fast wie ein Musikstudium.

Ja, das höre ich oft. Vor allem von Leuten, die bisher kein reguläres Studium kennengelernt haben. Ich hab mich ja auch immer davon ferngehalten. Allerdings durfte ich mir bei vielen Begegnungen mit regulär ausgebildeten Musikern immer wieder anhören, wie brutal und kreativlos die Studiengänge sind.

Echt?

Ja leider. Also, brutal im Sinne von Haifischbecken und kreativlos im Sinne von Kulturerbe und Tradition. Pop/Rock und Jazz haben ja mittlerweile auch eine eigene Tradition entwickelt. Da geht es manchmal schon ein bisschen wie im 19. Jahrhundert zu und her.

Dazu kommt, daß viele Ausbildungstätten ja auch eher den Eindruck einer Businnes-Academy machen. Für Künstlerisches bleibt da wenig Raum.

Seid also bloß nicht neidisch auf Leute, die Musik studiert haben, da wird viel zu viel Tamtam drum gemacht. Diese Institutionen verschlingen unglaublich viel Geld, da muss man die Leute auch bei der Stange halten und sie fordern, indem man ihnen unglaublich viel Zeug um die Ohren haut und ihnen weiß macht, daß das, was sie da machen, alles unheimlich wichtig wäre...

 

Das klingt, als würdest du etwas gegen Ausbildungen haben.

Natürlich bin ich generell für eine sinnvolle Ausbildung, im Sinne von Entwicklung, jedoch nur mit kompromissloser individueller Schulung.

Eben nur, wenn wir ganz radikal Schluß machen mit irgendeiner Art von Trichterdenken, nach dem Motto: Ich sage dir wie's geht und du machst das dann so; oben rein, unten wieder raus: Bildungsdurchfall.

Autsch - nicht sehr nett.

Ja, ein unangenehmes Thema. Aber wenn man erstmal geschnallt hat, was für üble Kräfte da wirken, will man auch eine klare Position beziehen. Wenn du, sagen wir mal, siehst, wie mein Haus qualmt, wartest du ja auch nicht erst, bis es richtig heftig brennt, sondern machst vorher schon mal ein bisschen Lärm.

Um das jetzt aber auch nicht ganz nieder zu machen, muss ich sagen, daß in den letzten 20 Jahren viele junge Musiker aus den Schulen kommen, die handwerklich echt gut drauf sind - die auf einem extrem hohen Level spielen. Das ist schon erstaunlich - das gab's in den 70ern und 80ern so nicht.

Ich sehe das allerdings mehr als ein Evolutions-Phänomen.

Aber zurück zu dir und der Musik.

Genau, Musikmachen gehört tatsächlich zum einfachsten der Welt. Jeder Mensch wird musikalisch geboren; die meisten normal begabt - einige wenige überdurchschnittlich. Das erkennt man im Unterricht oder Coaching in der Regel sehr schnell.

 

Und gibt's solche Codes, wie du sie vorhin beschrieben hast, auch für's Kreative und die Performance?

Nein, der ganze Bereich der künstlerischen Darbietung ist dann noch mal eine komplett andere Geschichte, da gibt’s keine Codes. Da geht’s im weitesten Sinne um Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit.

Auch im kreativen Prozeß gibt's das nicht. Aber sein Instrument zu verstehen, kann bei der Umsetzung von Ideen ziemlich hilfreich sein. Denn Zeit spielt ja auch eine Rolle; ist ja nicht so lustig, wenn ich stundenlang irgendwelche Harmonien oder Skalen raussuchen muss, um zu spielen, was innerlich fühle oder höre.

Im Kreativen geht's darum, bestimmte Haltungen zu entwickeln.

Stellt sich z.B. eine Idee ein: sofort alles stehen und liegen lassen! Wenn du erst noch den Abwasch zu Ende machen willst oder schnell die letzte Mail

beantworten; wenn du dann meinst, bereit zu sein, ist es ziemlich sicher schon vorbei. Die kreative Seite der Kunst ist flüchtig und wartet nicht auf uns; wenn sie kommt, gehen wir mit ihr oder sie ist schon wieder weg.

In der Performance z.B. ist die Haltung des Teilens und Schenkens ganz entscheidend. Man sollte sich immer klar darüber sein, warum man da eigentlich steht. So in der Art: Ich habe etwas gefunden oder erlebt, was mich dermaßen bewegt oder mir so wichtig erscheint, daß ich jetzt hier oben stehe und euch das mitteilen möchte.

Wenn das fehlt, man also letztendlich gar nichts zu sagen hat, sollte man auch nicht erst da oben rauf und die Zeit der Leute totschlagen. Das muß nicht immer bedeutungsschwere Musik sein, aber das "Need" muss stimmen.

Verstehst du dich jetzt eigentlich eher als Lehrer oder als Musiker?

Weder noch, oder sowohl als auch.

In dem was ich tue, brauche ich ja meist beides.

Ich sehe mich eher als Vermittler, weniger als Lehrer im traditionellen Sinne.

Ich gebe ja keine Lehre einfach so weiter, sondern gehe mit den Schülern den Weg immer wieder neu und wir finden die Antworten dann gemeinsam.

Auch im Livebereich, wenn ich als Musiker eine Plattform bekomme, empfinde ich mich ebenso als Vermittler - dann eben als Vermittler der Kunst.

Und in der Art, wie wir als Künstler erscheinen, vermitteln wir immer - ob uns das nun bewußt ist oder nicht - eine bestimmte Haltung, eine Position in Bezug auf Werte - also jetzt im ethischen Sinne. Da kommen wir gar nicht drum herum und es ist besser, man macht sich das rechtzeitig klar, sonst wird man sich rückblickend irgendwann schämen.

 

Vielen scheint das aber egal zu sein.

Klar. Musiker sind in Bezug auf’s Menschsein ja auch ganz normale Leute. Das ist dann, wie überall im Leben: es gibt die Neidischen und Eifersüchtigen, die Faulenzer und Poser, und die, denen es nur um Ansehen und Geld geht, aber es gibt auch die supernetten, total engagierten und nach Warheit suchenden, tollen Menschen - wie überall eben.

Der Unterschied zum normalen Leben ist, daß wir mit der Bühne einen magischen Ort betreten. Das geht historisch ganz weit zurück, als es noch echte kultische Handlungsorte gab. Dort war dann ein sogenanntes Medium, also eine spirituell besonders begabte und vorbereitete Person, die dann bestimmte geistige Inhalte empfangen und mitgeteilt hat.

Wir sprechen ja nicht umsonst von den Medien. Das gleiche gilt selbstverständlich für alle anderen Formen der medialen Vermittlung: Film/TV, Radio, aufgenommene Musik, Theater und natürlich auch die Bühne, die wir als Musiker betreten.

Alles, was durch diese - sagen wir mal - Kanäle fließt, wird unterbewußt als richtig und wahr angenommen. Da wirken eben spezielle menschliche und soziale Gesetzmäßigkeiten.

Deswegen war es ja auch möglich im 20. Jahrhundert so viel mit Lügen zu erreichen - man braucht dafür nur die richtige Plattform.

 

Wow, das hab ich so noch gar nicht gesehen - geht ja ganz schön weit.

Ja stimmt.

 

Untergangsstimmung?

No no! - Überhaupt nicht.

Gerade hier in Mitteleuropa; wir leben ja in Gesellschaften, in denen verhältnismäßig viel Freizügigkeit möglich ist, die ja grundsätzlich auf Verstehen und Brüderlichkeit fußen. Der Sinn für das Soziale innerhalb komplexer, heterogener Gesellschaftsformen ist ja maßgeblich in Europa entstanden. Wir haben hier unendlich viele Möglichkeiten. Man muss sie nur erkennen und vor allem wissen, was man tut.

Wir können mit unserer Musik so viel wunderbares bewirken und Menschen tief bewegen. Da liegt schon ein riesiges Potential drin.

Und wir werden wir ja auch immer wieder durch die Kunst selbst darauf hingewiesen, wie und wo es für uns weitergeht. Da braucht man keinen Manager oder Charts, Verkaufszahlen und Likes bestimmter Songs oder Künstler abzuchecken, um zu wissen, wo's lang geht; das ergibt sich ganz aus der Bewegung selbst.

 

Also: keine Untergangsstimmung - dafür gaaanz viel Vertrauen und Liebe zur Kunst und zu den Menschen. Folge deiner Begabung und tue, was dir Freude bereitet. Folge nicht so sehr deinem Bauchgefühl, sondern mehr dem, was dein Herz dir sagt und entwickle eine gesunde und starke Intuition. Das sind die Auftriebskräfte und das muss reichen.

 

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch.

Gerne. Danke für deine Fragen.